Studie: Die unerkannte Gefahr von Legionellen im Trinkwasser
Weshalb deutsche Haushalte das Risiko nicht unterschätzen sollten und welche Maßnahmen sinnvoll sind
Zusammenfassung der Studienergebnisse
Diese Studie untersucht das bislang unterschätzte Risiko von Legionellen im häuslichen Trinkwasser und zeigt, dass die offizielle Fallzahl die tatsächliche Krankheitslast deutlich unterschätzt. Epidemiologische Daten belegen, dass ein relevanter Anteil der Infektionen im privaten Wohnumfeld entsteht.
- – Hohe Dunkelziffer: Die Studie zeigt, dass offizielle Statistiken (ca. 2.162 Fälle der Legionärskrankheit im Jahr 2023) nur einen Bruchteil der tatsächlichen Infektionen abbilden. Schätzungen gehen von jährlich 15.000 bis 30.000 Fällen aus, da oft keine spezifische Erregerdiagnostik durchgeführt wird.
– Privates Wohnumfeld als Hauptquelle: Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung entstehen etwa drei Viertel der Infektionen im privaten oder beruflichen Umfeld, nicht in öffentlichen Einrichtungen oder Hotels.
- – Risikofaktoren im Haushalt: Kritische Warmwassertemperaturen (unter 60 Grad Celsius), stagnierendes Wasser in selten genutzten Leitungen und veraltete Installationen begünstigen die Vermehrung der Bakterien.
- – Gesetzliche Lücken: Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) sieht für Ein- und Zweifamilienhäuser keine systematische Prüfpflicht vor. Zudem stellt der technische Maßnahmenwert von (100 KbE/100ml) keinen medizinischen Grenzwert dar; Infektionen sind auch unterhalb dieser Schwelle möglich.
- – Wissenslücken: Bei den Verbrauchern bestehen erhebliche Defizite bezüglich der Temperaturanforderungen und notwendigen Präventionsmaßnahmen.
Die Ergebnisse verdeutlichen Wissenslücken zu Temperaturanforderungen, Prüfpflichten und Präventionsmaßnahmen. Prävention scheitert weniger an Kosten als an fehlender Information. Zudem bestehen regulatorische Lücken, da private Häuser nicht überwacht werden und der technische Maßnahmenwert keinen medizinischen Grenzwert darstellt. Die Studie leitet daraus die Notwendigkeit ab, Verbraucher besser aufzuklären, Installationsbetriebe stärker einzubinden und den gesetzlichen Rahmen punktuell zu erweitern, um das Legionellenrisiko im privaten Bereich wirksam zu reduzieren.

