Wichtige Fakten zur Legionellen-Infektion
Legionellen gelangen über eingeatmete Wasser-Aerosole in die Lunge und können dort eine schwere Lungenentzündung auslösen.
Die Bakterien vermehren sich vor allem in stehendem Wasser zwischen 25 und 45 °C. Technische Wassersysteme bieten dafür besonders günstige Bedingungen.
Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht vor allem für ältere Menschen, Raucher und immungeschwächte Personen.
Thermische Maßnahmen stoßen in der Praxis häufig an Grenzen, etwa durch Totleitungen, Biofilme und lange Leitungswege.
Sterilfilter an Dusche und Wasserhahn können als Sofortmaßnahme eingesetzt werden, bis die Ursache im Leitungssystem behoben ist.
Was Legionellen sind und wo sie vorkommen
Legionellen sind stäbchenförmige, gramnegative Bakterien aus der Familie der Legionellaceae. Von den mehr als 60 bekannten Arten verursacht Legionella pneumophila, insbesondere Serogruppe 1, den Großteil der Erkrankungen in Europa. In natürlichen Gewässern wie Seen, Flüssen und Grundwasser kommen die Erreger meist nur in niedrigen Konzentrationen vor. Einen Überblick bietet die verlinkte Seite Was sind Legionellen?.
Problematisch werden Legionellen vor allem in technischen Wassersystemen. In Warmwasserspeichern, selten genutzten Leitungsabschnitten, Duschschläuchen und Perlatoren finden sie günstige Wachstumsbedingungen. Besonders stark vermehren sie sich bei Temperaturen zwischen 25 und 45 °C und überall dort, wo Wasser über längere Zeit stagniert. Ab dem technischen Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten pro 100 Milliliter besteht Handlungsbedarf.
Zusätzlich erschweren Biofilme die Kontrolle. Diese Schleimschichten liefern Nährstoffe, schützen die Bakterien vor Desinfektionsmitteln und begünstigen eine dauerhafte Besiedlung. Eine wichtige Rolle spielen auch Amöben im Biofilm. Legionellen können in diese Einzeller eindringen, sich dort vermehren und nach dem Zerplatzen der Wirtszelle massenhaft freigesetzt werden. Innerhalb von Amöbenzysten überstehen sie Chlor, UV-Licht und Hitze deutlich besser. Deshalb können selbst nach fachgerechten Desinfektionsmaßnahmen Restpopulationen im System verbleiben.
So gelangt eine Legionellen-Infektion in den Körper
Eine Legionellen-Infektion entsteht, wenn fein zerstäubtes, belastetes Wasser eingeatmet wird und die Partikel tief in die Lunge vordringen. Solche Aerosole entstehen typischerweise beim Duschen, in Whirlpools, an Springbrunnen, durch Hochdruckreiniger, in Klimaanlagen oder in Kühltürmen. Besonders kleine Partikel unter fünf Mikrometern erreichen die Lungenbläschen, wo die Erreger von Makrophagen aufgenommen werden.
Kühltürme können kontaminierte Aerosole über mehrere hundert Meter verbreiten. Der Ausbruch in Warstein 2013 wurde auf solche Anlagen zurückgeführt; offiziell dokumentiert wurden 159 bestätigte Erkrankungsfälle und 2 Todesfälle. Das zeigt, dass eine Legionellen-Infektion nicht nur in Wohnungen oder Hotels entstehen kann, sondern auch durch großtechnische Anlagen mit weiter räumlicher Verbreitung.
Das Trinken belasteten Wassers führt in der Regel nicht zu einer Infektion. Relevant wird die Aufnahme über den Mund vor allem dann, wenn Wasser versehentlich in die Atemwege gelangt. Dieses Aspirationsrisiko betrifft besonders pflegebedürftige Menschen, Personen mit Schluckstörungen sowie schwer kranke Patienten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach heutigem Kenntnisstand nicht belegt.
In der Lunge verhindern Legionellen die normale Abtötung in den Fresszellen des Immunsystems. Sie blockieren die Verschmelzung des Phagosoms mit dem Lysosom, entgehen dadurch der intrazellulären Zerstörung und vermehren sich in den Makrophagen weiter. Nach dem Zerfall der Wirtszelle werden neue Bakterien freigesetzt und infizieren weitere Zellen. Dieser Mechanismus erklärt, warum eine gezielte antibiotische Therapie bei einer Legionellen-Infektion so wichtig ist.
Tipp: Legionellen werden zu einer Gefahr, wenn sie eingeatmet werden. Dies ist typischerweise beim Duschen der Fall. Duschköpfe mit eingebauten Legionellenfilter halten die Legionellen sicher zurück und können vor einer Infektion sicher schützen.
Krankheitsbilder der Legionellen-Infektion
Eine Legionellen-Infektion kann sehr unterschiedlich verlaufen. Medizinisch wird vor allem zwischen der Legionärskrankheit mit Lungenentzündung und dem milderen Pontiac-Fieber ohne Pneumonie unterschieden. Die Ausprägung hängt unter anderem von der aufgenommenen Erregermenge, dem allgemeinen Gesundheitszustand und bestehenden Risikofaktoren ab.
Zur besseren Einordnung folgt zunächst eine kurze Übersicht der beiden Krankheitsbilder. Anschließend werden typische Verläufe, diagnostische Hinweise und klinische Besonderheiten näher erläutert. Die Gegenüberstellung erleichtert die Abgrenzung, ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnostik.
Gerade bei unklaren Atemwegsbeschwerden ist diese Unterscheidung wichtig, weil der schwere Verlauf rasch intensivmedizinisch relevant werden kann. Das mildere Pontiac-Fieber heilt dagegen meist ohne spezielle Therapie folgenlos aus.
Legionärskrankheit
Die Legionärskrankheit beginnt meist zwei bis zehn Tage nach der Ansteckung. Typisch sind hohes Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, trockener oder produktiver Husten und Atemnot. Häufig treten zusätzlich Beschwerden außerhalb der Lunge auf, etwa wässriger Durchfall, Übelkeit oder Verwirrtheit. Diese Kombination ist ein wichtiger klinischer Hinweis. Eine ergänzende Übersicht bietet die verlinkte Seite zu den Symptomen bei Legionellen.
Ohne passende antibiotische Behandlung kann die Erkrankung lebensbedrohlich verlaufen. Die Letalität liegt bei der Legionärskrankheit im Allgemeinen bei etwa 5 bis 10 Prozent und ist bei immungeschwächten Patienten deutlich höher. Im Röntgenbild zeigt sich häufig eine rasch fortschreitende Infiltration, die sich innerhalb weniger Tage ausbreiten kann. Laborchemisch fallen oft erhöhte Entzündungswerte, eine Hyponatriämie und erhöhte Leberwerte auf.
Schwere Verläufe können in ein akutes Atemnotsyndrom mit Multiorganversagen übergehen. Dann ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Entscheidend ist, dass bei einer schweren ambulant erworbenen Pneumonie mit atypischen Begleitsymptomen früh an eine Legionellen-Infektion gedacht wird.
Pontiac-Fieber
Das Pontiac-Fieber ist die deutlich mildere Verlaufsform. Die Beschwerden beginnen meist wenige Stunden bis drei Tage nach der Exposition und ähneln einem grippalen Infekt. Typisch sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Eine Lungenentzündung entwickelt sich dabei nicht.
Die Erkrankung heilt in der Regel innerhalb von zwei bis fünf Tagen von selbst aus. Antibiotika sind normalerweise nicht erforderlich. Auffällig ist die hohe Erkrankungsrate bei exponierten Gruppen: In Ausbruchssituationen können bis zu 95 Prozent der betroffenen Personen Symptome entwickeln, obwohl der Verlauf insgesamt mild bleibt.
Diagnostisch wird das Pontiac-Fieber dennoch häufig übersehen. Der Grund liegt darin, dass die Beschwerden unspezifisch sind und ohne weitere Abklärung oft als banaler Infekt eingeordnet werden. Epidemiologische Erkenntnisse stammen daher überwiegend aus rückblickend untersuchten Ausbrüchen.
Legionärskrankheit und Pontiac-Fieber im Vergleich
Merkmal | Legionärskrankheit | Pontiac-Fieber |
|---|---|---|
Inkubationszeit | 2 bis 10 Tage | Wenige Stunden bis etwa 3 Tage |
Hauptsymptome | Fieber, Husten, Atemnot, Durchfall, Verwirrtheit | Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen |
Lungenbeteiligung | Ja (Pneumonie) | Nein |
Schweregrad | Schwer, oft stationär | Mild, ambulant |
Letalität | 5 bis 10 % | Praktisch 0 % |
Krankheitsdauer | 2 bis 4 Wochen plus Rekonvaleszenz | 2 bis 5 Tage |
Tipp: Zertifizierte Duschköpfe mit eingebauten Legionellenfilter können vor einer Infektion sicher schützen, die besonders gefährlich für Kinder, Senioren, Raucher oder immungeschwächte Personen sein kann.
Besonders gefährdete Personengruppen
Nicht jeder Kontakt mit belasteten Aerosolen führt automatisch zu einer Erkrankung. Ein großer Teil der gemeldeten Fälle betrifft jedoch Menschen über 50 Jahre, und Männer erkranken deutlich häufiger. Das individuelle Risiko steigt zusätzlich, wenn Vorerkrankungen, Nikotinkonsum oder eine geschwächte Immunabwehr hinzukommen.
Für die klinische Einschätzung ist wichtig, dass mehrere Risikofaktoren oft gleichzeitig vorliegen. Höheres Alter, chronische Atemwegserkrankungen und Medikamente zur Immunsuppression verstärken das Risiko eines schweren Verlaufs. Deshalb sollte bei diesen Gruppen die Möglichkeit einer Legionellen-Infektion frühzeitig berücksichtigt werden.
Personen über 50 Jahre, insbesondere Männer
Raucher und ehemalige Raucher
Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma
Menschen mit Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Immunsupprimierte Patienten, etwa nach Organtransplantation, unter Chemotherapie oder bei dauerhafter Kortisontherapie
Krebspatienten und Menschen mit HIV
Personen aus diesen Risikogruppen sollten bei unklaren Atemwegsinfekten mit hohem Fieber aktiv auf eine Legionellen-Diagnostik hinweisen. Auch unter TNF-alpha-Blockern und anderen Biologika ist das Risiko erhöht. In solchen Situationen ist eine frühe diagnostische Abklärung besonders wichtig, weil sich schwere Verläufe innerhalb kurzer Zeit entwickeln können.
Diagnostik bei Verdacht auf Legionellose
Die Diagnose einer Legionellose stützt sich auf klinische Hinweise, Expositionsanamnese und gezielte Labordiagnostik. Besonders verdächtig sind schwere oder atypische Pneumonien, die auf eine Standardtherapie mit Betalaktam-Antibiotika nicht ansprechen. Auch Reiseanamnese, Krankenhausaufenthalte, Hotelübernachtungen oder Hinweise auf kontaminierte Trinkwasseranlagen sollten in die Abklärung einbezogen werden.
Am schnellsten liefert der Urin-Antigentest ein Ergebnis, meist innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Sein Nachteil ist die begrenzte Erfassung, da vor allem Legionella pneumophila Serogruppe 1 nachgewiesen wird. Ergänzend kommen PCR-Verfahren, kulturelle Anzucht aus Sputum oder bronchoalveolärer Lavage sowie in bestimmten Fällen serologische Untersuchungen zum Einsatz.
Die kulturelle Anzucht gilt als Goldstandard, weil sie grundsätzlich alle Spezies erfassen kann. Sie benötigt jedoch mehrere Tage und ist deshalb für die unmittelbare Therapieentscheidung zu langsam. Fehlt nach 48 bis 72 Stunden unter empirischer Behandlung eine klinische Besserung, sollte gezielt an Legionellen gedacht und die Diagnostik erweitert werden. Gerade bei einer vermuteten Legionellen-Infektion entscheidet der Zeitfaktor häufig über den weiteren Verlauf.
Behandlung einer Legionellen-Infektion
Die Therapie erfolgt mit Antibiotika, die intrazellulär wirksam sind. Mittel der Wahl sind Makrolide, insbesondere Azithromycin, sowie Fluorchinolone wie Levofloxacin. Penicilline und andere Betalaktam-Antibiotika sind gegen Legionellen in der Regel nicht ausreichend wirksam, weil sich die Erreger innerhalb von Zellen vermehren.
Die Behandlungsdauer richtet sich nach Schweregrad, Vorerkrankungen und Immunstatus und liegt meist zwischen 7 und 21 Tagen. Bei schweren Verläufen kann eine Kombinationstherapie erwogen werden. Entscheidend ist der frühe Therapiebeginn, idealerweise bereits bei begründetem klinischem Verdacht und nicht erst nach vollständiger Bestätigung durch alle Laborbefunde.
Nach stationären Verläufen ist eine strukturierte Nachkontrolle sinnvoll. Dazu gehören je nach Befund eine Röntgen-Verlaufskontrolle nach vier bis sechs Wochen, die Beurteilung der Lungenfunktion und die Überwachung möglicher Komplikationen wie Pleuraergüsse oder Lungenabszesse. Eine Schutzimpfung gegen Legionellen steht bislang nicht zur Verfügung.
Langzeitfolgen nach schwerer Legionärskrankheit
Eine überstandene schwere Legionellen-Pneumonie bedeutet nicht immer eine rasche vollständige Genesung. Viele Betroffene leiden noch Wochen oder Monate nach der Akutphase unter eingeschränkter Belastbarkeit, anhaltender Atemnot und allgemeiner Erschöpfung. Bei schweren Verläufen können Vernarbungen des Lungengewebes zurückbleiben und die Atemfunktion dauerhaft beeinträchtigen.
Neben den körperlichen Folgen sind auch neurokognitive Beschwerden beschrieben. Dazu zählen Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und verminderte mentale Belastbarkeit. Nach langen intensivmedizinischen Aufenthalten kommen psychische Belastungen wie depressive Episoden oder posttraumatische Belastungssymptome hinzu. Rund ein Drittel der hospitalisierten Patienten berichtet auch zwölf Monate nach der Akuterkrankung noch über eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit.
Nach maschineller Beatmung zeigen sich häufiger persistierende Muskelschwäche und kognitive Einschränkungen. Deshalb endet die medizinische Betreuung nicht mit dem Abklingen des Fiebers oder der Entlassung aus dem Krankenhaus. Gerade nach schweren Verläufen braucht die Erholung Zeit und eine gezielte Nachsorge.
Genesungsdauer nach Legionärskrankheit
Die Rekonvaleszenz dauert häufig deutlich länger als die antibiotische Akuttherapie. Während sich Fieber und Entzündungszeichen oft innerhalb weniger Tage bessern, können Husten, Kurzatmigkeit und Leistungsabfall über viele Wochen bestehen bleiben. Bei älteren Patienten, Menschen mit Vorerkrankungen und nach intensivmedizinischer Behandlung verlängert sich die Genesungszeit oft erheblich.
Im klinischen Alltag ist daher eine realistische Aufklärung wichtig. Die Rückkehr zur früheren körperlichen Belastbarkeit gelingt nicht immer innerhalb weniger Wochen. Kontrolltermine mit Lungenfunktionsprüfung nach etwa drei und sechs Monaten helfen dabei, bleibende Einschränkungen zu erkennen und den weiteren Verlauf medizinisch zu begleiten.
Rehabilitation und Nachsorge
Rehabilitative Maßnahmen können den Erholungsprozess nach schwerer Legionärskrankheit deutlich unterstützen. Je nach Schweregrad kommen Atemtherapie, physiotherapeutisch begleitetes Ausdauertraining, Kraftaufbau und strukturierte pneumologische Nachsorge infrage. Bei ausgeprägter Schwäche oder nach langem Krankenhausaufenthalt kann auch eine stationäre Reha sinnvoll sein.
Ziel der Nachsorge ist nicht nur die Verbesserung der Lungenfunktion. Ebenso wichtig sind die Wiederherstellung der allgemeinen Belastbarkeit, die Behandlung möglicher psychischer Folgen und die schrittweise Rückkehr in den Alltag. Eine engmaschige medizinische Begleitung ist besonders dann angezeigt, wenn weiterhin Luftnot, starke Erschöpfung oder kognitive Probleme bestehen.
Warum heißes Wasser allein keinen zuverlässigen Schutz bietet
Hohe Warmwassertemperaturen sind ein wichtiger Baustein der Prävention, lösen das Problem aber nicht allein. Weiterführende Informationen dazu bietet der verlinkte Beitrag zu den Temperaturen, die nötig sind, um Legionellen abzutöten. In der Praxis scheitert die thermische Kontrolle häufig an den baulichen und betrieblichen Bedingungen einer Trinkwasserinstallation.
Biofilm und Kalkablagerungen schirmen Legionellen teilweise ab, sodass Hitze die Bakterien nicht überall zuverlässig erreicht. Totleitungen werden bei thermischen Maßnahmen oft gar nicht erfasst. Hinzu kommt, dass moderne Wärmepumpensysteme das Warmwasser häufig nur auf 50 bis 55 °C bringen. Damit bleiben in vielen Anlagen Bereiche bestehen, in denen sich Legionellen weiter vermehren können.
Auch lange Leitungswege und unzureichende Dämmung fördern das Risiko. Das Wasser kühlt auf dem Weg zur Zapfstelle ab, und am Ende des Leitungssystems werden die erforderlichen Temperaturen oft nicht mehr erreicht. Werden Zirkulationsleitungen nachts abgeschaltet oder Entnahmestellen selten genutzt, entstehen zusätzliche Stagnationsphasen mit idealen Wachstumsbedingungen.
Klimawandel als zusätzlicher Risikofaktor
Steigende Außentemperaturen beeinflussen inzwischen auch die hygienischen Bedingungen in Trinkwasseranlagen. In heißen Sommern erwärmen sich Kaltwasserleitungen häufiger auf kritische Bereiche oberhalb von 20 bis 25 °C. Damit verschwimmt die frühere klare Trennung zwischen kaltem und warmem Wasser in manchen Gebäuden zunehmend, was die Vermehrung von Legionellen begünstigen kann.
Auch die Meldezahlen zeigen einen langfristigen Bedeutungszuwachs. Nach aktuellen RKI-Daten wurden 2023 in Deutschland 2.161 Fälle registriert, 2024 waren es 2.235 Fälle. Die Entwicklung ist nicht allein auf das Klima zurückzuführen, sondern auch auf bessere Diagnostik und höhere Aufmerksamkeit. Trotzdem gilt die Erwärmung von Wasser in Leitungen und technischen Anlagen als zusätzlicher Risikofaktor, der bei Planung, Betrieb und Sanierung stärker berücksichtigt werden muss.
Lesetipp: Unsere Legionellenstudie aus dem Jahr 2026 zeigt die steigenden Risiken der Legionelleninfektion aufgrund des Klimawandels
Legionellenfilter als Sofortmaßnahme an Dusche und Wasserhahn
Wenn eine Trinkwasserinstallation belastet ist, wird häufig eine sofort umsetzbare Schutzmaßnahme benötigt. In solchen Situationen kommen Sterilfilter zum Einsatz, die direkt an Duschkopf oder Wasserhahn montiert werden. Sie können die Exposition an einzelnen Entnahmestellen unmittelbar senken, während die technische Ursache im Leitungssystem noch abgeklärt oder saniert wird.
Technisch arbeiten diese Filter mit einer Membran von 0,2 Mikrometern Porengröße. Dadurch werden Legionellen und andere Bakterien physikalisch zurückgehalten. Der Schutz hängt dabei nicht von der Wassertemperatur, dem Alter der Installation oder dem Zustand des Biofilms im Leitungssystem ab. Gerade für sensible Bereiche wie Pflege, Krankenhaus, häusliche Versorgung oder belastete Mietwohnungen ist das ein praktischer Vorteil.
Die erhältlichen Sterilfilter für Duschkopf, Wasserhahn und Badewanne können je nach Produkt mehrere Wochen bis Monate verwendet werden. Sie ersetzen keine Sanierung der Trinkwasseranlage, sind aber als zeitlich begrenzte Schutzmaßnahme sinnvoll. In vielen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gehören sie deshalb seit Jahren zur Standardausstattung.
Für wen ein Legionellenfilter besonders sinnvoll ist
Besonders sinnvoll sind solche Filter für Risikopersonen, für Mieter in Gebäuden mit bestätigtem Legionellenbefund sowie für Bewohner von Ferienwohnungen oder Wohnmobilen mit längeren Standzeiten des Wassersystems. Auch in Haushalten, in denen pflegebedürftige oder bettlägerige Personen versorgt werden, kann die zusätzliche Barriere an der Entnahmestelle sinnvoll sein.
Darüber hinaus profitieren Haushalte mit Neugeborenen oder immungeschwächten Angehörigen von einem vorsorglichen Einsatz, wenn die Wasserqualität unklar ist oder bereits eine Sanierung läuft. Wichtig bleibt jedoch, dass der Filtereinsatz immer nur ein Teil der Lösung ist. Die eigentliche Ursache der Legionellen-Belastung muss technisch gefunden und dauerhaft beseitigt werden.
Was bei einem Legionellenbefund in Mietwohnungen zu tun ist
Wird in einer Trinkwasserprobe der technische Maßnahmenwert von 100 KBE pro 100 Milliliter überschritten, besteht klarer Handlungsbedarf. Zwischen dem ersten Befund und dem Abschluss einer Sanierung vergehen häufig Wochen oder sogar Monate. In dieser Zeit sind transparente Information, rechtliche Klarheit und praktische Schutzmaßnahmen besonders wichtig.
Mieter sollten sich den Befund schriftlich bestätigen lassen und auf die vollständige Dokumentation bestehen. Dazu gehören der Untersuchungsbericht, Angaben zur Probenahmestelle und die Information, welche Sofortmaßnahmen bereits angeordnet wurden. Gerade für Haushalte mit Risikopersonen ist eine schnelle Einschätzung der Gefährdung wesentlich.
Schriftliche Bestätigung des Befunds vom Vermieter anfordern, einschließlich Untersuchungsbericht.
Bei sehr hohen Werten oder behördlicher Anordnung Nutzungsbeschränkungen beachten. Hinweise bietet der verlinkte Ratgeber zum Thema Duschen bei Legionellenbefall.
Bei Bedarf Sterilfilter als Sofortschutz an relevanten Entnahmestellen einsetzen.
Gegebenenfalls Mietminderung und weitere mietrechtliche Schritte prüfen.
Sanierungsfristen und angekündigte Maßnahmen dokumentieren und nachhalten.
Risikopersonen im Haushalt ärztlich beraten lassen.
Der Vermieter ist nach der Trinkwasserverordnung verpflichtet, bei einer Überschreitung des technischen Maßnahmenwerts unverzüglich eine Gefährdungsanalyse zu veranlassen und die Bewohner zu informieren. Werden diese Pflichten nicht erfüllt, kann das zuständige Gesundheitsamt eingeschaltet werden. Die Behörde kann weitere Maßnahmen anordnen und die Nutzung einzelner Entnahmestellen einschränken.
Legionellen in Krankenhäusern, Hotels und Zahnarztpraxen
Bestimmte Umgebungen weisen ein besonders hohes Risiko für eine Legionellen-Belastung auf. Dazu zählen Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Hotels, Kreuzfahrtschiffe, Ferienwohnungen und Zahnarztpraxen. Gemeinsame Merkmale sind komplexe Wasserleitungen, viele Entnahmestellen, längere Stagnationszeiten und Nutzergruppen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko.
In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist die Sterblichkeit wegen der Patientenkonstellation besonders relevant. In Zahnarztpraxen können sich in den feinen wasserführenden Kanälen der Behandlungseinheiten schnell Biofilme bilden. Reiseassoziierte Fälle machen einen erheblichen Teil der gemeldeten Legionellosen aus, weil in Hotels oder Ferienunterkünften Nutzungspausen und schwankende Temperaturen häufig zusammenkommen.
Auch Autowaschanlagen und gewerbliche Befeuchtungsanlagen können kontaminierte Aerosole verbreiten. In Schwimmbädern geht die Gefahr vor allem von Duschen und Whirlpools im Nassbereich aus, nicht vom Beckenwasser. Beim Einzug in eine länger leerstehende Wohnung sollten alle Leitungen vor der ersten Nutzung mehrere Minuten gründlich gespült werden, idealerweise getrennt für Warm- und Kaltwasser.
Meldepflicht und Fallzahlen in Deutschland
Die Legionellose ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Erfasst werden laborbestätigte Fälle, die nach den Falldefinitionen des Robert Koch-Instituts übermittelt werden. Eine Übersicht dazu bieten die Falldefinitionen des RKI zur Legionellose.
Offiziell werden pro Jahr mehrere Tausend Erkrankungen registriert. Für 2023 meldete das RKI 2.161 Fälle, für 2024 wurden 2.235 Fälle erfasst. Fachleute gehen allerdings von einer erheblichen Untererfassung aus und schätzen die tatsächliche Zahl deutlich höher ein. Genannt werden je nach Quelle Größenordnungen von 15.000 bis 30.000 Erkrankungen pro Jahr.
Frühere Ausbrüche zeigen das Ausmaß möglicher Ereignisse. In Ulm wurden 2010 insgesamt 64 Menschen krank, 5 starben. Seit 2017 unterliegen Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider zusätzlich der 42. BImSchV mit verpflichtenden Hygieneanforderungen. Damit soll das Risiko großflächiger Ausbrüche durch technische Anlagen besser kontrolliert werden.
Maßnahmen zur Senkung des Infektionsrisikos
Eine einzelne Maßnahme reicht in der Regel nicht aus, um das Risiko zuverlässig zu senken. Entscheidend ist die Kombination aus technischer Wartung, regelmäßiger Nutzung der Leitungen, Temperaturkontrolle und gezieltem Schutz an kritischen Entnahmestellen. Vor allem in älteren Gebäuden und bei bekannten Befunden sollte das Vorgehen systematisch geplant werden.
Im Alltag lassen sich mehrere praktische Schritte umsetzen, die das Risiko einer Legionellen-Infektion verringern können. Sie ersetzen keine fachgerechte Sanierung, sind aber ein sinnvoller Teil der Prävention. Besonders wichtig ist das in Gebäuden mit längeren Leerstandszeiten, selten genutzten Bädern oder empfindlichen Bewohnern.
Selten genutzte Leitungen regelmäßig durchspülen: Gäste-WC, Zweitbad und andere wenig genutzte Entnahmestellen sollten mindestens wöchentlich mit warmem und kaltem Wasser gespült werden.
Warmwassertemperaturen fachgerecht überwachen: Temperaturen über 60 °C im Speicher sind sinnvoll, müssen aber im gesamten System tatsächlich erreicht werden.
Duschköpfe und Perlatoren entkalken: Kalk und Biofilm fördern mikrobielle Besiedlung und sollten in festen Intervallen entfernt werden.
Stagnationswasser nach Abwesenheit ablaufen lassen: Nach Urlaub, Leerstand oder längerer Nichtnutzung sollte das Wasser vor dem Duschen mehrere Minuten laufen.
Bei Bedarf Schutzfilter einsetzen: An Risikoentnahmestellen können Sterilfilter vorübergehend eine sinnvolle Zusatzmaßnahme sein.
Die Kombination dieser Maßnahmen senkt das Infektionsrisiko deutlich, auch wenn sie keinen absoluten Schutz garantieren kann. Für Risikogruppen und in belasteten Gebäuden ist genau diese Mehrstufigkeit entscheidend. Je früher hygienische und technische Schwachstellen erkannt werden, desto besser lässt sich eine Legionellen-Infektion vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es nach der Ansteckung, bis eine Legionellen-Infektion ausbricht?
Bei der Legionärskrankheit vergehen in der Regel 2 bis 10 Tage, die meisten Betroffenen bemerken erste Symptome nach 5 bis 6 Tagen. Beim Pontiac-Fieber zeigen sich Beschwerden oft schon nach 1 bis 3 Tagen.
Ist eine Legionellen-Infektion von Mensch zu Mensch übertragbar?
Nein. Die Ansteckung geschieht durch das Einatmen kontaminierter Wasser-Aerosole aus belasteten Quellen.
Welche Untersuchungen werden zur Diagnose einer Legionellen-Infektion eingesetzt?
Am häufigsten kommt ein Urin-Antigentest zum Einsatz, der Legionella pneumophila Serogruppe 1 innerhalb weniger Minuten nachweisen kann. Ergänzend werden Sputumkulturen, PCR-Tests und weitere Laboruntersuchungen genutzt.
Kann man Legionellen durch Trinken von kontaminiertem Wasser aufnehmen?
Bloßes Trinken führt bei gesunden Menschen in der Regel nicht zur Infektion. Gefährlich wird es, wenn Wasser versehentlich in die Atemwege gelangt, also aspiriert wird.
Wie oft sollte die Trinkwasseranlage auf Legionellen untersucht werden?
Betreiber von Großanlagen zur Trinkwassererwärmung müssen nach der Trinkwasserverordnung mindestens alle drei Jahre eine Legionellenprüfung durchführen lassen. Bei erhöhten Werten können deutlich kürzere Intervalle vorgeschrieben werden.
Quellen
Clinical Features of Legionnaires‘ Disease and Pontiac Fever – CDC
42. BImSchV – Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider
Epidemiologie der Legionärskrankheit in Deutschland – Entwicklungen in den Jahren 2010 bis 2020
Pontiac Fever – NIH Genetic and Rare Diseases Information Center


