Legionellenbefall – was jetzt wirklich zählt

Ein positiver Legionellenbefund liegt auf dem Tisch, das Gesundheitsamt hat sich gemeldet: Ein Legionellenbefall in der Trinkwasserinstallation ist meldepflichtig, gesundheitsgefährdend und duldet keinen Aufschub. Die systemweite Beseitigung dauert Wochen bis Monate. Zertifizierte Legionellenfilter an Dusche und Wasserhahn schützen die Bewohner dagegen ab dem ersten Tag. Die folgenden Abschnitte ordnen medizinische Risiken ein, erklären die rechtlichen Pflichten nach der Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2023) und zeigen konkrete Gegenmaßnahmen.
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Die wichtigsten Fakten

  • Ab dem technischen Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml greift die Meldepflicht. Sofortmaßnahme Nummer eins sind zertifizierte Legionellenfilter an den betroffenen Entnahmestellen.

  • Thermische Desinfektion allein reicht oft nicht. Ein Legionellenfilter bietet sofortigen physikalischen Schutz, während die Sanierung läuft.

  • Die Trinkwasserverordnung 2023 verschärft die Betreiberpflichten. Eigentümer und Hausverwaltungen müssen bei positivem Befund unverzüglich eine Gefährdungsanalyse veranlassen und das Gesundheitsamt informieren.

  • Eine vollständige Legionellensanierung kann mehrere Monate dauern. Sterilfilter schützen die Bewohner in der Zwischenzeit.

  • Steigende Kaltwassertemperaturen durch den Klimawandel machen auch kalte Leitungen zunehmend zum Risiko für Legionellenwachstum.

Was Legionellenbefall bedeutet und wie er entsteht

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien der Gattung Legionella, allen voran Legionella pneumophila. In natürlichen Gewässern kommen sie in geringer Konzentration praktisch überall vor. Problematisch wird es erst, wenn sie in technische Wassersysteme gelangen und sich dort massenhaft vermehren. Vier Faktoren begünstigen das: Wassertemperaturen von 25 °C bis 50 °C, Stagnation in selten genutzten Leitungen, Biofilm auf Rohrinnenflächen und Totleitungen aus Umbauten. Überdimensionierte Speicher, lange Leitungswege und niedrige Zirkulationstemperatur sind in vielen Mehrfamilienhäusern Standard. Das ist genau das Rezept für eine Legionellen-Kontamination.

Verzinkte Stahlrohre, die seit den 1960er-Jahren massenhaft verbaut wurden, bieten mit ihrer aufgerauten Innenfläche ideale Ansiedlungsbedingungen. Genauso problematisch sind überdimensionierte Warmwasserspeicher mit großem Wasservolumen bei geringem Verbrauch. Dort hält sich das Wasser dauerhaft im kritischen Temperaturbereich.

Typische Infektionsquellen im Gebäude

Gefährlich wird das Wasser erst, wenn es zerstäubt wird. Die feinen Aerosole gelangen beim Einatmen tief in die Lunge und können eine Legionellose auslösen. Das Trinken oder Kochen mit dem Wasser ist nach derzeitigem Kenntnisstand kein relevanter Infektionsweg.

  • Duschen und Duschköpfe

  • Wasserhähne mit Strahlregler und Perlatoren

  • Whirlpools und Sprudelbäder

  • Kühltürme und Rückkühlwerke

  • Luftbefeuchter und Inhalationsgeräte

  • Gartenschläuche, in denen Wasser stundenlang in der Sonne steht

Gesundheitsrisiken: Legionärskrankheit und Pontiac-Fieber

Die Legionärskrankheit ist eine atypische Lungenentzündung mit hohem Fieber, trockenem Husten und Atemnot. Häufig kommen Kopfschmerzen, Verwirrtheitszustände und Magen-Darm-Beschwerden hinzu. Die Inkubationszeit liegt bei zwei bis zehn Tagen, die Letalität bei 10 bis 15 Prozent. Das Pontiac-Fieber verläuft deutlich milder, ähnelt einer Sommergrippe und klingt nach wenigen Tagen folgenlos ab. Wer die typischen Anzeichen kennen will, findet Informationen zu den Symptomen einer Legionelleninfektion im verlinkten Ratgeber.

Menschen über 50, Raucher, Diabetiker und immungeschwächte Personen tragen das größte Risiko. Das RKI meldet jährlich rund 1.200 bis 2.200 bestätigte Fälle. Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Schätzungen des ECDC legen nahe, dass nur etwa jeder zehnte Fall tatsächlich diagnostiziert und gemeldet wird.

KBE-Bewertungsstufen nach DVGW W551

Der technische Maßnahmenwert liegt bei 100 KBE/100 ml, so definiert es die Trinkwasserverordnung. Ab dieser Schwelle greift die Meldepflicht. Das DVGW-Arbeitsblatt W551 unterscheidet vier Stufen.

 

KBE/100 ml

Bewertungsstufe

Erforderliche Maßnahmen

< 100

Unbedenklich

Routineuntersuchung im vorgeschriebenen Intervall

100 – 999

Mittlere Legionellen-Kontamination

Meldung an Gesundheitsamt, Gefährdungsanalyse, Nachuntersuchung

1.000 – 9.999

Hohe Legionellen-Kontamination

Meldung, Maßnahmenplan, Bewohner informieren, Sterilfilter, kurzfristige Sanierungsplanung

> 10.000

Extrem hohe Kontamination

Sofortige Meldung, Duschverbot oder Nutzungseinschränkung, unverzügliche Beseitigung

Die Probenahme muss durch ein akkreditiertes Labor erfolgen. Die Probe wird nach einer definierten Stagnationszeit ohne vorheriges Ablaufen direkt aus der Armatur entnommen, um die tatsächliche Belastung abzubilden. Fehler bei der Probenahme verfälschen die Ergebnisse und können eine Kontamination verschleiern.

Legionellen Bewertungsstufen nach DVGW

Rechtliche Pflichten bei Legionellenbefall

Der Betreiber muss sämtliche Maßnahmen lückenlos dokumentieren. Seit der Trinkwasserverordnung 2023 ist diese Dokumentationspflicht ausdrücklich normiert. Wer untätig bleibt, riskiert Bußgelder und im Schadensfall persönliche Haftung. Die TrinkwV 2023 fasst den Begriff des „Betreibers“ weiter als bisher. Auch beauftragte Hausverwaltungen können als Betreiber gelten.

Untersuchungspflichten nach TrinkwV 2023

Untersuchungspflichtig sind Großanlagen zur Trinkwassererwärmung (Speicher über 400 Liter oder Leitungsinhalt über drei Liter), sofern Wasser gewerblich oder öffentlich abgegeben wird. Vermietete Wohngebäude müssen alle drei Jahre geprüft werden, Hotels, Pflegeheime und Krankenhäuser jährlich. Ein- und Zweifamilienhäuser zur Eigennutzung sind ausgenommen. Die TrinkwV 2023 hat die Anzeigepflichten verschärft und klargestellt, dass der Betreiber bereits bei Kenntnis eines auffälligen Befunds handeln muss. Details finden Sie im Ratgeber zur Legionellenprüfung.

Pflichten und Kosten für Eigentümer, Bewohner und WEG

Die Sanierungskosten trägt der Eigentümer. Auf Bewohner umlegbar sind nur die Kosten der wiederkehrenden Legionellenuntersuchung als Betriebskosten. Betroffene Mietparteien haben Anspruch auf Mietminderung, je nach Schwere zwischen 10 und 25 Prozent. Bei einem vollständigen Duschverbot haben Gerichte sogar bis zu 30 Prozent zugesprochen. In der WEG verzögern Beschlussverfahren oft, was unverzüglich geschehen müsste. Genau in diesen Wochen sind Sterilfilter unverzichtbar. Eine Gebäudeversicherung deckt Legionellensanierungen in der Regel nicht ab.

Sofortmaßnahmen nach positivem Legionellenbefund

Sobald ein Befund über 100 KBE/100 ml vorliegt, zählt jeder Tag. Die folgenden Sofortmaßnahmen sollten innerhalb der ersten 72 Stunden angestoßen werden.

  1. Bewohner informieren per Aushang im Treppenhaus, in mehreren Sprachen, mit Verhaltenshinweisen zur Vermeidung von Aerosolen.

  2. Gesundheitsamt benachrichtigen und den Zeitpunkt der Meldung schriftlich dokumentieren.

  3. Sterilfilter an betroffenen Entnahmestellen installieren. Bei der Produktauswahl auf EN-Zertifizierung achten. Zertifizierte Membranfilter mit 0,2 Mikrometern Porengröße halten Legionellen rein mechanisch zurück und bieten ab der Montage vollständigen Schutz.

  4. Nutzungseinschränkung prüfen. Bei extrem hoher Kontamination sofortige Einschränkung bis zur Filterausstattung anordnen.

  5. Gefährdungsanalyse beauftragen bei einem nach VDI 6023 qualifizierten Sachverständigen.

  6. Fachbetrieb kontaktieren und mindestens zwei Angebote einholen.

  7. Nachuntersuchung planen frühestens vier Wochen nach Abschluss der Maßnahmen.

Spezialisierte Anbieter wie Sanquell liefern passende Sterilfilter für Dusche, Wasserhahn und Badewanne inklusive der Aushang-Vorlagen für das Gesundheitsamt.

Ein Handwerker behebt ein Legionellenproblem

Verfahren zur Beseitigung im Vergleich

Eine wirksame Behebung muss die Ursache beseitigen. Kein Verfahren allein löst das Problem zuverlässig. Die richtige Kombination richtet sich nach Alter und Material der Installation, Kontaminationsgrad und Gebäudestruktur.

Thermische Desinfektion und ihre Grenzen

Der Trinkwassererwärmer wird auf über 70 °C aufgeheizt, jede Entnahmestelle mindestens drei Minuten mit Wasser dieser Temperatur beaufschlagt. Welche Temperaturen nötig sind, um Legionellen abzutöten, hängt von mehreren Faktoren ab. In der Praxis scheitert das Verfahren regelmäßig. In langen Steigsträngen fällt die Temperatur unter die kritische Schwelle, stillgelegte Abschnitte werden nicht durchströmt, und Spülung allein durchdringt den Biofilm nicht. Das Verbrühungsrisiko während der Desinfektion kommt hinzu. Als Solo-Maßnahme reicht thermische Desinfektion selten aus.

Chemische Desinfektion und weitere Verfahren

Chemische Desinfektion mit Chlordioxid oder Wasserstoffperoxid erreicht Stellen, an denen Hitze versagt. Chlordioxid wirkt auch in Biofilm-Schichten und hat eine Depotwirkung. Wasserstoffperoxid zerfällt rückstandsfrei, hat aber geringere Langzeitwirkung. UV-Desinfektion am Hauseintritt wirkt nur gegen frei schwimmende Bakterien. Alle Verfahren sollten technische Maßnahmen ergänzen, etwa das Entfernen von Totleitungen, einen hydraulischen Abgleich oder den Austausch korrodierter Rohrabschnitte.

Kosten nach Verfahren und Gebäudetyp

Thermische Desinfektion beginnt bei wenigen hundert Euro, bringt bei wiederkehrendem Befall aber kumulierte Kosten. Chemische Dosieranlagen schlagen mit 3.000 bis 8.000 Euro zu Buche. Ein partieller Rohrtausch liegt häufig im niedrigen fünfstelligen Bereich, eine Vollsanierung kann sechsstellige Beträge erreichen.

Warum Biofilm die größte Herausforderung bleibt

In der organischen Biofilm-Matrix sind Bakterien vor Hitze und Chemikalien bis zu tausendfach besser geschützt als im freien Wasser. Die Schleimschicht aus extrazellulären polymeren Substanzen verlangsamt das Eindringen von Desinfektionsmitteln und puffert Temperaturschwankungen ab. Legionellen nutzen Amöben innerhalb des Biofilms als Wirtszellen. Eine vollständige Beseitigung gelingt häufig nur durch Rohrtausch oder Rohrinnensanierung. Sterilfilter an der Entnahmestelle wirken dagegen unabhängig davon, was im Rohr passiert. Das macht sie zum pragmatischsten Schutz.

Langfristiger Schutz und dauerhafte Prävention

Nach erfolgreicher Beseitigung beginnt die Daueraufgabe. Die Prävention setzt an den bekannten Stellschrauben an.

  • Warmwasser: Am Speicheraustritt dauerhaft über 60 °C halten, am Zirkulationsrücklauf mindestens 55 °C.

  • Kaltwasser: Dauerhaft unter 25 °C halten.

  • Spülroutinen: Selten genutzte Entnahmestellen mindestens wöchentlich durchspülen.

  • Wartung: Trinkwassererwärmer regelmäßig entkalken, Perlatoren und Duschköpfe vierteljährlich reinigen oder tauschen.

  • Nachuntersuchung: Wiederkehrende Probenahme einhalten. In den ersten zwölf Monaten nach Sanierung sind kürzere Intervalle ratsam.

Legionellenfilter als dauerhafter Schutz an der Entnahmestelle

Sterilfilter mit 0,2-Mikrometer-Membran arbeiten rein physikalisch und halten Legionellen zuverlässig zurück. Die Standzeit liegt je nach Modell bei vier bis acht Wochen, danach muss der Filter gewechselt werden. Ein überzogenes Wechselintervall gefährdet die Schutzwirkung. Sanquell bietet neben den Sterilfiltern auch Abo-Modelle für den automatischen Wechsel und Beratung mit Unterlagen für das Gesundheitsamt. Gerade in Gebäuden mit wiederkehrend erhöhten Werten senken Sterilfilter das Infektionsrisiko auf nahezu null.

Kaltwasser als unterschätztes Risiko durch den Klimawandel

30 °C in der Kaltwasserleitung einer Dachgeschosswohnung. Was nach einem Messfehler klingt, wurde in Hitzeperioden bereits dokumentiert. In heißen Sommern heizt sich Kaltwasser in ungedämmten Leitungen auf 25 bis 30 °C auf, mitten im Wachstumsoptimum der Legionellen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, bei auffälligen Befunden auch Kaltwasser-Wasserproben zu ziehen. Baulich helfen konsequente Dämmung, räumliche Trennung von Warm- und Kaltleitungen und gegebenenfalls Kaltwasserkühlung.

Besonders betroffen sind Bestandsgebäude der 1960er- bis 1980er-Jahre mit gemeinsam verlegten Leitungen. Eigentümer sollten bei der nächsten Legionellenprüfung eine Kaltwasserprobe mit einplanen. Die Zusatzkosten von 30 bis 50 Euro können eine teure Überraschung verhindern.

Häufige Fragen zum Legionellenbefall

Wie lange dauert eine Legionellensanierung?

Von der Erstprobe über Gefährdungsanalyse und bauliche Umsetzung bis zur freigegebenen Nachprobe vergehen typischerweise drei bis sechs Monate. Bei komplexen Installationen kann sich der Zeitraum auf bis zu zwölf Monate erstrecken.

Kann ich bei Legionellenbefall meine Miete mindern?

Ja. Den Mangel sofort schriftlich per Einschreiben anzeigen und parallel eine Mietrechtsberatung einholen. Die Minderungsquote orientiert sich an der konkreten Einschränkung. Bei einer Empfehlung, kürzer zu duschen, liegt sie bei 10 bis 15 Prozent. Bei vollständigem Duschverbot haben Gerichte bis zu 30 Prozent angesetzt.

Müssen auch Einfamilienhäuser auf Legionellen prüfen?

Eine gesetzliche Pflicht besteht für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser nicht. Eine freiwillige Prüfung ist trotzdem sinnvoll bei verzinkten Stahlrohren älter als 30 Jahre, längerer Abwesenheit, immungeschwächten Personen im Haushalt oder einem großen Warmwasserspeicher bei geringem Verbrauch.

 

Die enthaltenen Informationen können die Beratung durch einen Arzt nicht ersetzen; sie sind keine medizinischen Anweisungen. Die Inhalte dienen der Vermittlung von Wissen und sind nicht mit der individuellen Betreuung zu vergleichen. Die Umsetzung der hier gegebenen Empfehlungen sollte deshalb immer mit einem qualifizierten Experten abgesprochen werden. Das Befolgen der Empfehlungen erfolgt auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung. Der Artikel enthält Links zu unseren Produkten.

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