Die Fakten
Trinkwasser sollte sicherheitshalber drei bis fünf Minuten sprudelnd kochen, um Keime abzutöten.
In großer Höhe verlängert sich die Kochzeit, weil der Siedepunkt sinkt.
Abkochen entfernt keine Schwermetalle, kein Nitrat und keine chemischen Schadstoffe. Diese werden durch Verdampfen sogar leicht konzentriert.
Gegen Legionellen an Dusche und Wasserhahn hilft nur ein zertifizierter Sterilfilter, nicht das Erhitzen.
Mehrfaches Aufkochen ist unbedenklich. Abgekochtes Wasser sollte abgedeckt und binnen 24 Stunden verbraucht werden.
Wie lange muss man Wasser abkochen, damit es keimfrei ist?
Entscheidend ist nicht das erste Blasenwerfen, sondern die Haltezeit bei voller Temperatur. Das Leitungswasser muss tatsächlich sprudelnd kochen und diese Temperatur mehrere Minuten halten. Ob Sie dafür einen Topf oder einen Wasserkocher verwenden, spielt keine Rolle. Achtung bei Wasserkochern mit Abschaltautomatik. Sie stoppen oft, sobald das Wasser einmal kocht, und erreichen die nötige Haltezeit nicht. Erhitzen Sie in diesem Fall ein zweites Mal oder nutzen Sie den Herd.
Bringen Sie das Trinkwasser in einem sauberen Topf sprudelnd zum Kochen und halten Sie diese Temperatur mindestens eine, besser drei bis fünf Minuten. Danach lassen Sie das Wasser abgedeckt abkühlen und verwenden es zeitnah. Das genügt, um die mikrobielle Wasserqualität deutlich zu verbessern und Bakterien im Wasser zuverlässig zu reduzieren.
Höhenkorrektur: Länger kochen in den Bergen
Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck, und Wasser siedet dadurch bereits unter 100 °C. Die niedrigere Temperatur tötet Mikroorganismen langsamer ab, weshalb Sie die Kochzeit sicherheitshalber verlängern müssen. Dass sogar der Luftdruck bei Stürmen den Siedepunkt spürbar verschiebt, zeigt, wie stark äußere Bedingungen das Kochen beeinflussen. Beim Trekking in den Bergen wird dieser Punkt häufig unterschätzt.
Warum das Gesundheitsamt ein Abkochgebot ausspricht
Ein Abkochgebot verhängt das Gesundheitsamt, wenn Laboruntersuchungen eine mikrobielle Verunreinigung des Trinkwassers zeigen. Typische Auslöser sind erhöhte Koloniezahlen von Escherichia coli, coliformen Bakterien oder Enterokokken. Diese Keime sind laut Trinkwasserverordnung sogenannte Indikatororganismen. Ihr Nachweis zeigt, dass Krankheitserreger nicht ausgeschlossen werden können.
Solche Überschreitungen treten selten auf, etwa nach Bauarbeiten am Leitungsnetz. Betroffene Haushalte werden über Pressemitteilung, Aushang oder Nachricht des Wasserversorgers informiert. Das Gebot bleibt bestehen, bis mehrere Kontrollproben wieder einwandfrei sind. Ohne diese Vorsichtsmaßnahme drohen Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Erbrechen, denn eine solche Trinkwasserverunreinigung kann ernste Folgen haben.
Was Abkochen abtötet – und was nicht
Bei voller Siedetemperatur werden praktisch alle wasserübertragbaren Krankheitserreger unschädlich gemacht. Bakterien und Viren sterben innerhalb weniger Sekunden bis Minuten, auch hitzeresistentere Parasiten und Dauerformen von Protozoen überleben die empfohlene Kochzeit nicht. Das sprudelnde Kochen sorgt dafür, dass die kritische Temperatur zuverlässig im gesamten Topf erreicht wird. Die folgende Übersicht zeigt, bei welchen Temperaturen und Zeiten die wichtigsten Erregergruppen abgetötet werden.
Erregergruppe | Beispiele | Abtötung |
|---|---|---|
Bakterien | E. coli, Enterokokken | ab 70 °C in ca. 10 Min., bei 100 °C in Sekunden |
Viren | Noro-, Rotaviren | ab 70–75 °C in ca. 1–2 Min. |
Protozoen und Parasiten | Giardia, Kryptosporidien | ab 70 °C in 1–3 Min., sicher bei Siedetemperatur |
Legionellen | Legionella pneumophila | ab 70 °C in Sekunden, Gefahr von Legionellen in Wasserdampf |
Schwermetalle, Nitrat und Chemikalien bleiben im Wasser
Gegen chemische Schadstoffe ist das Abkochen wirkungslos. Blei, Kupfer, Nitrat oder Uran verdampfen nicht, sondern bleiben zurück. Weil ein Teil des Wassers als Dampf entweicht, steigt ihre Konzentration im Topf sogar leicht an. Das ist das Gegenteil des gewünschten Effekts. Wer solche Belastungen vermutet, kommt um einen Aktivkohlefilter nicht herum, der diese Stoffe gezielt bindet. Deshalb rät das Gesundheitsamt bei chemischer Verunreinigung meist komplett vom Verzehr ab.
Warum Abkochen bei Legionellen nicht ausreicht
Legionellen sind ein Sonderfall, der die Grenzen des Abkochens deutlich macht. Diese Bakterien vermehren sich im Warmwassersystem bei Temperaturen zwischen etwa 25 und 45 °C, also genau dort, wo Sie das Wasser gar nicht in den Topf bekommen. Gefährlich werden sie nicht beim Trinken, sondern beim Einatmen feiner Wassertröpfchen. Beim Duschen entstehen genau solche Aerosole, und darüber können Legionellen die Lunge erreichen und die schwere Legionärskrankheit auslösen.
Der verbreitete Rat, einfach heißes Leitungswasser durch die Leitung laufen zu lassen, greift zu kurz. Eine thermische Desinfektion erfordert konstant über 70 °C an jeder Entnahmestelle über mehrere Minuten, und kurzes Aufheizen erreicht das in verzweigten Hausinstallationen praktisch nie. Den entscheidenden Punkt löst Hitze ohnehin nicht. Wer duscht, atmet die Aerosole direkt ein.
Hier setzen endständige Filter an. Sanquell bietet zertifizierte Sterilfilter für die Dusche, die direkt an Dusche, Wasserhahn oder Badewanne montiert werden und Legionellen mechanisch zurückhalten, als Sofortschutz unabhängig von der Wassertemperatur. Abkochen schützt Ihr Trinkwasser, das Legionellenproblem an der Dusche lösen Sie damit nicht.
Alltag während eines Abkochgebots: Säuglingsnahrung, Kaffeemaschine und Zähneputzen
Während eines Abkochgebots gilt die Vorsichtsmaßnahme für alles, was in den Körper gelangt, also nicht nur für das Trinkwasser, sondern auch für die Zubereitung von Speisen und die Körperpflege. Besonders in Haushalten mit Säuglingen, kranken oder älteren Menschen ist die konsequente Umsetzung wichtig. Halten Sie eine ausreichende Menge abgekühltes Wasser in geschlossenen Gefäßen bereit:
Säuglingsnahrung immer mit frisch abgekochtem, wieder abgekühltem Wasser zubereiten.
Zähneputzen und Mundspülen nur mit abgekochtem Wasser.
Obst und Gemüse, das roh verzehrt wird, mit abgekochtem Wasser waschen.
Kaffeemaschine und Wasserkocher ersetzen kein Abkochen, denn ein heißes Getränk macht das Wasser nicht keimfrei.
Der Geschirrspüler ist bei mindestens 60 °C in der Regel unbedenklich.
Auch Haustiere sollten abgekochtes, abgekühltes Wasser bekommen.
Mythen im Faktencheck: Mehrfach aufkochen und Haltbarkeit
Hartnäckig hält sich die Warnung, mehrfaches Aufkochen mache Wasser gesundheitsschädlich. Das stimmt nicht. Beim wiederholten Erhitzen entstehen keine schädlichen Rückstände, der Effekt ist für gesunde Menschen ohne Bedeutung. Auch die Wasserhärte spielt keine Rolle.
Beim zweiten Mythos ist mehr Vorsicht angebracht. Abgekochtes Wasser ist keimfrei, aber nicht steril. Sobald es abkühlt, können sich aus der Luft erneut Mikroorganismen ansiedeln. Bewahren Sie es deshalb abgedeckt und kühl auf und verbrauchen Sie es innerhalb von 24 Stunden. Wer sich über die aktuelle Wasserqualität informieren möchte, findet beim Umweltbundesamt, bei der Verbraucherzentrale und beim örtlichen Wasserversorger verlässliche Angaben.


